Kamele

Eine der häufigsten Assoziationen mit „Wüste“ sind wohl Kamele – zu Recht, ist es wohl das Tier, was man dort am häufigsten Antrifft (oder zumindest dem Europäer am häufigsten auffällt). Auch wenn Kamele im deutschen Sprachgebrauch keinen allzu hohen Stellenwert zu haben scheinen („Du Kamel“ ist zumindest selten als ehrenvoller Titel gemeint), sind die Tiere doch eigentlich ziemlich cool: Wer sonst kann schon von sich behaupten, in einer Viertelstunde 200 Liter olles Tümpelwasser trinken zu können und dann wochenlang ohne weiteres Wasser in der Wüste klar zu kommen. Außerdem knabbern Kamele mit Vorliebe an Gestrüpp herum, das selbst jeder Ballen Stroh für tot halten würde.

Kamelmarkt in Al Ain
Kamelmarkt in Al Ain

Kamelmarkt in Al Ain

Touristen beim Kamelreiten in Abu Dhabi
Touristen beim Kamelreiten in Abu Dhabi

Dank der sprichwörtlichen arabischen Gastfreundschaft, hatten wir glücklicherweise die Chance, Kamelen auch abseits der ausgelatschten Touristenpfade etwas näher zu kommen: Als wir auf einem Feldweg (oder besser „Sandweg“) an einem kleinen „Wüstenbauernhof“ vorbeikamen, lud uns der dort ansässige Pakistani Chaled mit einem freundlichen „Come, sit!“ zunächst auf einen grünen Tee und anschließend zu seinen Kamelen ein.

Auf einer Kamelfarm in der Wüste

Auf einer Kamelfarm in der Wüste
Auf einer Kamelfarm

Kurz vor Ende der Reise wollten wir auch noch einem typischen arabischen Sport beiwohnen: dem Kamelrennen – immerhin können Kamele Geschwindigkeiten bis zu 65 km/h erreichen. Das stelle sich allerdings als gar nicht so einfach heraus, denn Kamelrennen sind noch nicht zur Touristenattraktion aufgestiegen. Entsprechend schwierig ist es, herauszufinden, wann und wo solch ein Rennen stattfinden soll. Über Umwege und Tipps von Einwohnern fanden wir immerhin heraus, dass in Al Ain Freitag früh gegen sieben ein Kamelrennen stattfinden soll.

Ein Laden für Kamelbedarf in Al Ain
Ein Laden für Kamelbedarf in Al Ain

Auf dem Weg zur Rennbahn standen wir jedoch plötzlich vor einem großen Tor, dass von einem Polizisten mit Gewehr bewacht wurde. Auf die Frage nach dem Kamelrennen, erfuhren wir, dass es hier früher tatsächlich zu einer Kamelrennbahn ging. Heute wohnt hier allerdings der Sohn eines Scheichs und die Kamelrennen finden jetzt woanders statt. Nachdem er uns erklärte, wo die Strecke jetzt liegt, ließ er uns natürlich auch nicht gehen, ohne uns zuvor auf einen arabischen Kaffee und ein paar Datteln in seine Wachstube einzuladen…

Etliche Kilometer weiter fanden wir tatsächliche etliche Karawanen, die sich zielstrebig in Richtung Rennstrecke bewegten – leider nur zum Training, denn Rennen sollten heute doch keine stattfinden. Egal, interessant war es trotzdem und bei einem richtigen Rennen wäre ich womöglich nicht so nah an die Strecke gekommen, um zu fotografieren. Und dass wir als Europäer etwas überrascht angesehen wurden, waren wir ohnehin schon vom Busfahren gewöhnt.

Kamelrenntraining nahe Al Ain
Kamelrenntraining nahe Al Ain

Kamelrenntraining nahe Al Ain

Für Kamelrennen wurden früher übrigens Kinder als Jockeys verwendet, da diese entsprechend leicht sind. Da dies verständlicherweise viel Kritik nach sich zog, wurde dies in den meisten Ländern verboten, beginnend 2002 mit den Vereinigten Arabischen Emiraten. Ersetzt werden die Kinder durch Roboter, die übrigens in der Schweiz entwickelt wurden.

Kamele mit Roboter-Jockeys
Kamele mit Roboter-Jockeys

Auffallend sind auch die Allrad-Autos die besonders auf der Zielgeraden laut hupend neben den Kamelen herfahren. Aus ihnen werden die Roboter-Jockeys ferngesteuert und die Kamele durch das Hupen zusätzlich angefeuert.

Kamelrenntraining nahe Al Ain

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